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Spätmittelalter-Projekte
An dieser Stelle werden alle Projekte vorgestellt, die einen Bezug zum Spätmittelalter haben.
Pavesen
Die Pavese war ein großer rechteckiger Holzschild, der im Mittelalter zumeist bei Belagerungen den Armbrustschützen und Bogenschützen als Deckung diente. Im Spätmittelalter wurde diese oftmals als Deckung von Kanonen- und Büchsenschützen verwendet. Die große hochmittelalterliche Pavese hatte etwa die Abmessungen 2 mal 1 Meter, die spätmittelalterliche Pavese war entsprechend kleiner. Die verwendeten Materialen waren miteinander verleimte Leichthölzer, die mit Stoff oder Leder bespannt wurden oder in mehreren Lagen verleimt wurden, um die Pavese widerstandsfähig zu machen. Die spätmittelalterlichen Pavesen waren häufig sehr kunstvoll bemalt.
Der erste, der sich in der Gruppe im Spätjahr 2006 eine Spätmittelalterpavese anfertigen ließ, war Bernhard. Die Pavese wurde von Freunden der Mittelaltergruppierung Wormser Reichsrotte nach historischen Vorlagen gebaut. Die verwendeten Materialen entsprechen dabei weitgehend den historischen Vorgaben.
Hakenbüchsen
Seit dem Jahr 2006 besitzt Bernhard eine Hakenbüchse und hat damit die Feuerwaffen in die Kommende Einsiedel gebracht. Daher soll diesen Waffen an dieser Stelle ein kleiner Artikel gewidmet werden...
Die ersten Feuerwaffen - und sehr bald auch die ersten Hakenbüchsen - kamen Mitte / Ende des 13. Jhdts. in Mitteleuropa auf. Eine Hakenbüchse ist eine primitive Feuerwaffe, bestehend aus einem einfachen, hinten geschlossenem Rohr, das auf einem Holzschaft befestigt ist.
Die in dem Lauf untergebrachte Schwarzpulvertreibladung wird über ein Zündloch am Ende des Laufes gezündet. Durch die explosionsartige Verbrennung der Treibladung und des dabei entstehenden Gasdrucks wird das vor der Ladung angebrachte Geschoss durch den Lauf nach vorne gedrückt und verlässt mit hoher Austrittsgeschwindigkeit die Mündung des Laufs.
Um den Rückschlag abzuzfangen war an der Büchse vorne ein Haken befestigt, der bei der Zündung an einer geeigneten Stelle eingehängt werden konnte. Die Wucht wurde nun über den Haken in die Burgmauer oder in eine andere, als Widerlager dienende, Stelle abgeleitet. Der Schütze bekam von dem Rückschlag folglich nichts mehr ab.
Diese Waffen waren noch nicht besonders präzise, hatten aber im Vergleich zu den bis dahin üblichen Fernwaffen (Bogen, Armbrust) einige entscheidende Vorteile:
- Sie waren einfach und schnell herzustellen
- Sie waren billig (zum Vergleich: Eine Armbrust kostete etwa das zwanzigfache)
- Sie benötigten kaum Pflege
- Die Einarbeitungszeit für den Schützen war vergleichsweise gering
Die ersten Feuerwaffen wurden wegen ihres vergleichsweise hohen Gewichts und ihrer Sperrigkeit zunächst hauptsächlich als Verteidigungswaffen eingesetzt. Gestopft wurden die Hakenbüchsen mit Metall- oder Steinkugeln, aber auch mit gehacktem Feuerstein und anderen Splittergeschossen, die gut gegen Weichziele (Menschen und Tiere) auf naher Distanz wirkten.
Nachdem sich von der Gruppe einige Angehörige Hakenbüchsen gekauft hatten, entschloss sich Bernhard dann, seine eigenen Hakenbüchsen zu bauen. Er ließ sich von einer Metallwerkstatt aus einem Werkzeugstahl die Läufe drehen und diese dann beschießen. Danach montierte er die Läufe auf die selbsthergestellten Eichenschäfte.
Bilder und Beschreibungen zum Bau der Hakenbüchsen finden sich hier .
Kanonen
Eine Kanone ist ein Geschütz mit einem großen Verhältnis Rohrlänge zu Kaliber (Rohrlänge / Kaliber > 20), die meist zum Flachfeuer verwendet wird. Die Entwicklung des Schwarzpulvers in China war die Grundlage für die Entwicklung dieser Waffe. Diese bauten auch die ersten Kanonen, die zunächst aus Bambus-, später dann aus Metallrohren Feuerlanzen und erste Projektile verschossen.
In Europa selbst treten Feuerwaffen während der Wende vom 13. zum 14. Jahrhundert erstmals auf. Das Konzept der mit Schwarzpulver betriebenen und mit Eisenpfeilen schießenden Pfeilbüchse kam über die offenen Handelswege Arabiens nach Europa. Sicher belegt sind Kanonen in Europa erstmals 1326 in Italien, später dann in Süddeutschland.
Da der Orden im Spätmittelalter ebenso aktiv war wie im Hochmittelalter und in dieser Zeit Kanonen bereits auf allen Schlachtfeldern vertreten waren, haben sich die Spätmittelalterbegeisterten der Gruppe (hauptsächlich aber Bernhard) daran gemacht, verschieden Kanonen zu bauen. Welche Kanonen im Zuge dieser Bemühungen entstanden, wird in den nächsten Abschnitten gezeigt.
Vorderladerkanonen
Vorderladerkanonen sind die ursprünglichste Kanonenform. Die Kanone wird von vorne durch die Mündung des Laufs mit der Treibladung (klassischerweise Schwarzpulver) und dem Projektil geladen. Über ein kleines Zündloch am hinteren Ende des Laufs wird die Treibladung mittels eines Zündkrauts (feingemahlenes Schwarzpulver) gezündet.
Klassisch wurden mit der Vorderladerkanone Stein- oder Eisenkugeln, aber auch Fragmentgeschosse verschossen.
Kleines Feldgeschütz
Im November 2007 baute Bernhard zusammen mit Andreas A. ein kleines Feldgeschütz, nachdem Bernhard bereits im Frühjahr 2007 eine Kanone für sich drehen gelassen und selbst zusammengebaut hat.
Der Lauf wurde aus einem massiven, hoch verdichteten Stahl herausgedreht und wurde noch im Dezember 2007 beschossen. Innerhalb eines Tages wurde dann das Holzgestell zusammen gezimmert, das wahlweise mit oder ohne Rädchen auskommt. Die Rädchen konnten von einem alten Bollerwagen entnommen werden. Das ermöglicht den Einsatz der Kanone in unterschiedlichen Zeiten. Als Vorlage diente eine Rekonstruktionszeichnung.
Bilder zum Bau des kleinen Feldgeschütz' gibt es hier
.Feldschlange
Die Feldschlange war ein Kanonentyp des späten Mittelalters und der frühen Neuzeit.
Sie zeichneten sich durch ein für diese Zeit relativ kleines Kaliber von sechs bis acht Zentimetern aus. Der Lauf war dafür mit bis zu drei Metern verhältnismäßig lang. Dadurch erhöten sich die Treffgenauigkeit, Reichweite und Durchschlagswirkung.
Die Produktion dieser Läufe wurde durch verbesserte Herstellungsprozesse Ende des 15., Anfang des 16. Jhdt. erst möglich.
Bilder zum Bau der Feldschlange gibt es hier .
Großes Feldgeschütz
Im Spätjahr 2009 begann Bernhard mit seinem bis dato größten Kanonenprojekt. Das Ziel war der Nachbau einer spätmittelalterlichen Vorderladerkanone nach einer Museumsvorlage.
Die Kanone wurde im Dezember 2009 fertig und der Lauf im Januar 2010 offiziell im Beschussamt abgenommen.
Nach dem ersten offiziellen Einsatz der Kanone am Osterlager der Kommende wird das Bild der endgültig fertig gestellten Bombarde hier zu finden sein. Bilder zum Bau der Kanone finden sich hier .
Hinterladerkanonen
Die ersten
Hinterladerkanonen
(auch
Kammerladerkanonen
) wurden nachweislich bereits im 15. Jhdt. verwendet. Der konstruktive Vorteil der Hinterladerkanone ist, dass die Kanone nicht vorne über die Mündung des Laufs geladen werden muss, sondern eine Kartusche, die hinter den Lauf angesetzt wird, separat geladen werden kann. Dadurch können mehrer Kartuschen vorbeitet werden, die in schneller Folge am Geschütz angebracht und abgefeuert werden können, ohne den ganzen beim Vorderlader dazugehörigen Ladevorgang.
Dennoch konnten sich Hinterladerkanonen bis ins 19. Jhdt. hinein nicht etablieren. Der Grund hierfür ist wahrscheinlich die Schwierigkeit einen sauberen Übergang von der Kartusche in den Lauf zu realisieren. Wenn dieser nicht stimmt, verliert die Kanone deutlich von ihrer Effizienz wegen des Druck- und Reibungsverlusts an der Übergangsstelle. Im schlimmsten Fall kann das Geschoss im Übergang stecken bleiben, was zur Explosion der Kanone führen kann.
Bernhard baute im Winter 2008/2009 eine Vorderladerkanone, die auf dem Bild rechts abgebildet ist. Zu dieser ließ er drei Kartuschen anfertigen die separat beschossen wurden.
Die Kanone ist mittlerweile nicht mehr in Bernhards Besitz. Diese wurde an die
Foetibus-Ritter
verkauft.
Eine weitere - größere und bessere - Hinterladerkanone (Bild links) baute Bernhard im Winter 2010/2011. Bilder zum Bau der Kanone finden sich hier .
Orgelgeschütz
Ein Orgelgeschütz ist ein mehrläufiges Geschütz das im Spätmittelalter zum ersten Mal aufkam. Bei diesem wurden mehrere kleinere Kanonenläufe in einer oder mehreren Schichten nebeneinander angeordnet. So können die einzelnen Läufe in kurzer Zeit hintereinander abgefeuert werden.
Bei einigen Geschützen waren die Läufe dazu noch fächerförmig angeordnet. Dadurch war es möglich eine größere Fläche zu bestreichen. Orgelgeschütze wurden vornehmlich gegen Weichziele, also Menschen eingesetzt, da das Kaliber für andere Einsatzgebiete (z.B. Festungsbeschuss) zu gering war. Der Bau großkalibriger Orgelgeschütze war damals nicht möglich, da die Lafetten, die mit damaligen Mitteln gebaut werden konnten, dem mehrfachen Rückstoß nicht standhielten.
Im Spätjahr 2006 begann Bernhard bereits mit dem Bau seiner ersten Orgelkanone. Mit dem Resultat nicht ganz zufrieden, begann er zusammen mit Oliver im November 2007, das Geschütz neu aufzubauen. Dabei verwendete er die Speichenräder eines alten Leiterwagens.
Die Kanonenläufe selbst sind nur Zier; tätsächlich handelt es sich bei ihnen um geschwärzte Metallrohre. Die eigentlichen Sprengkammern bestehen aus beschossenen Kartuschen, die hinter die Rohre gespannt werden. Um der Geschützmannschaft Deckung zu bieten, wurde auf dem Geschütz eine Pavese angebracht. Über zwei Griffe kann die Kanone von zwei Männern schnell auch über schwieriges Gelände gerollt werde. Die geringen Abmessungen machen einen Transport nicht allzu kompliziert.
Bilder zum Bau des Orgelgeschützes gibt es hier .
Veuglaire
Das Wort Veuglaire , das sich vom lateinischen „fulgare“ herleitet, bezeichnet ein Geschütz mittlerer Stärke, das leicht zu handhaben war und als besonderes Merkmal eine herausnehmbare Kammer zur Aufnahme der Pulverladung besaß. Dies ergab, wie auch beim Kammerladergeschütz, eine Schussfolge von bis zu 40 Schuss pro Stunde, vorausgesetzt die Geschützmannschaft war gut eingespielt.
Man baute die Veuglaire zuerst wie die Bombarden, dann goss man sie aus Eisen und ab 1450 auch aus Bronze. Diese Art des Hinterladergeschütz’, wahrscheinlich um das Jahr 1400 entstanden, blieb bis zur Mitte des 16. Jhdts. im Einsatz. Diese Kanonen waren bis zu zwei Meter (acht Fuß) lang und hatten ein Gewicht von 100 Kilogramm bis zu mehreren Tonnen.
Im Jahr 2010 sah Bernhard im Museum Musée d’historie locale Saint Paul de Vence zwei originale Kanonen dieser Baureihe aus dem Jahr 1410 und beschloss ein Voiglaire und Kammerladergeschütz nachzubauen. Da beide Geschützrohre von ähnlicher Machart waren, war der Entschluss naheliegend, beide Geschütze gleichzeitig nachzubauen. Die Voiglaire wurde für die staatlichen Burgen und Schlösser RLP zur festen Montage auf dem restaurierten Kanonenturm der Burg Alt-Dahn.
Bernhard wurde bei den Bauarbeiten von Robert, der den Großteil der Metall-, insbesondere der Schweißarbeiten, übernahm. Daneben halfen noch Friedrich und Oliver bei der Verwirklichung der Projekte.
Daten:
Vogler bzw. Veuglaire – Hinterladerstandgeschütz – Kaliber 50mm um 1460 (Burgunderbeute)
Original: Musée de’l Armée – Paris
(Veuglaire: Deutsch „Vogler“, flämisch „Vogheler“, englisch „Fowler“)
Informationen zum Bau des Veuglaires finden sich hier .
Tarrasbüchse
Die Tarrasbüchse oder „Terrabüchse“ war ein leichtes Geschütz, das hauptsächlich zur Verteidigung verwendet wurde.
Sie war ein sehr einfach konstruiertes, übergroßes Handfeuerrohr, das auf einer einfachen Holzlafette montiert war. Sie hatte ein Kaliber von 5 bis 10 cm und eine wirksame Schussweite von 250 bis 300 m. Sie wurde mit ihrer flachen Schusslinie zum direkten Beschuss des Feindes eingesetzt.
Quasi
on the fly
baute Bernhard - neben den anderen Kanonen - im Winter 2010/2011 eine solche Tarrasbüchse
Bilder zum Bau finden sich
hier
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Daten:
Tarrasbüchse – Kaliber 40mm um 1460
Original: Heeresgeschichtliches Museum Wien
Feuertöpfe
Feuertöpfe sind kleine Mörser ohne Gestell mit einem Kaliber von 30 bis 40mm die im Mittelalter einfach herzustellen waren und in großer Stückzahl effektiv gegen Reiterei eingesetzt werden konnten, indem sie mit einem kleinen Winkel in die Erde gerammt wurden um ihre Ladung in aus kurzer Distanz der anreitenden Kavallerie entgegen zu werfen.
Gleich eine ganze Batterie dieser Feuertöpfe wurde von Bernhard im Winter 2010/2011 neben den anderen Kanonen produziert.
Bilder vom Bau der Feuertöpfe finden sich
hier
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